Zauberers Nachtschatten


Enchanter's Nightshade...

Was für ein wunderbarer Name für diese unscheinbare Pflanze. Bei uns heißt sie offiziell
Großes oder Gemeines Hexenkraut.

Diese süße Blüte ist ganz unscheinbar und doch leuchtet sie im dichten Grün hervor, denn bei mir im Garten wächst sie vor allem an schattigen, eher feuchten Plätzen. Wie ein tanzender Schmetterling sieht die mini Blüte aus und ist bezaubernd hübsch.

Circaea lutetiana, was für ein klangvoller lateinischer Name für diese unauffällige Pflanze. Was hat es nur auf sich mit diesem geheimnisvollen Hexengewächs? Auf Circe geht dieses Circaea zurück, das war diejenige, die Odysseus' Männer in Schweine verwandelt hatte. Im Zaubertrank zur tierischen Verwandlung soll sich unter den anderen "bösen Kräutern" tatsächlich das Hexenkraut befunden haben. Das wäre doch eine durchaus hilfreiche Fähigkeit, wenn man die Zusammensetzung des Tranks wüsste, die man zielgerichtet anwenden könnte... 

Auch wenn der englische Name als "Nachtschatten" übersetzt wird, mit Nachtschattengewächsen hat diese Pflanze nichts zu tun. Tatsächlich gehört sie zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) und ist damit eine Schwester des Weidenröschens. 

Was tatsächlich unglaublich ist: Das Hexenkraut ist eines der wenigen, das dieses Jahr - einem Jahr mit der größten Schneckenschwemme - von den kleinen mistigen Vielfraßen verschont wird! Es scheint etwas einzulagern, das ihnen nicht schmeckt (Wikipedia spricht von eingelagertem oxalsaurem Kalk). So etwas bräuchte ich mal im Salat. Oder in den Erdbeeren. Beim Kohlrabi wär's auch nicht schlecht...

Und da dieses Pflänzchen ja nun zu den Nachtkerzengewächsen gehört und nicht zu den Nachtschatten, kann man es auch essen. Ich hab mal die Blüten probiert und werde das nun täglich fortsetzen, so lange es noch Blüten gibt (von Juni bis August/September). DENN - und nun kommt's - jeden Tag nur EINE Blüte gegessen, wirkt Frau auf Mann einfach unwiderstehlich! Nun, man wird sehen.

Geschmacklich sind die Blüten unauffällig, ich werde mich mal an die Blätter wagen - statt des zusammen gefressenen Salates vielleicht. 
Hilfreich soll die Pflanze auch äußerlich bei Hauterkrankungen und Wunden sein durch antientzündliche Wirkungen eines Stoffes, der sich Oenothein B nennt und - wen wundert's - auch im kleinblütigen Weidenröschen zu finden ist. ABER der Stoff kann noch mehr! Er ist auch noch antioxidativ, enzymhemmend, antitumoral und antimikrobiell. Wenn das kein Grund ist, die Pflanze zu essen, oder? Vor allem, weil sie sehr verbreitungsfreudig ist, das macht sie sowohl mit ihren Wurzeln (Ausläufer) als auch den kleinen Achänen (Kletten), die sich lustig überall anhängen. Ein Tee daraus könnte auch nicht schaden, wird wohl in Österreich so praktiziert... 
Meine Tochter hatte sich beim Schnitzen mit dem Messer geschnitten und da musste ich gleich mal die Blut stillende Wirkung der Blätter ausprobieren. Dafür zerdrückt man ein Blatt des Hexenkrauts bis Saft austritt, umwickelt damit die Wunde und bindet das ganze mit einem Grashalm zusammen. Es hat funktioniert, ob es am ausgetretenen Saft oder am Zubinden lag, vermag ich nicht zu beurteilen. Spitzwegerich tut's auch, wenn Sie das Hexenkraut gerade nicht zur Hand haben.

Insgesamt also ein wunderbares Kraut, das bei mir zumindest meinen ungeliebten Schattenplatz - auf dem nichts Gescheites wachsen will - mit hellen Sprenkeln verschönert.

Links zum Nachforschen (eingesehen am 18.07.2024 um 19 Uhr):

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