Oxymel aus Quitten - Rezept

Oxymel aus Zierquitten oder Äpfel-/Birnenquitten

Oxymel ist heute in aller Munde... Muss man Oxymel erklären, oder reicht es aus, es als Essig-Honig bzw. Sauer-Honig zu beschreiben? Diejenigen, die diese Seite gefunden haben, wissen wohl ganz genau, wie wohltuend (und auch lecker) ein Oxymel ist. Für alle anderen gibt es weiter unten noch Informationen.

Meine ersten Erfahrungen mit Oxymel waren geschmacklich eher abenteuerlich und abgewöhnungsfähig. Aber nun habe ich ein Rezept kreiert, dass nicht nur meinem Körper gut tut, sondern auch noch schmeckt - und zwar richtig gut!

(Japan)Quitten-Oxymel

  • 1-2 große Quitten oder 4 kleine vom Flaum befreien (ein Glitzi funktioniert da klasse), waschen und grob in Würfel schneiden - ja, komplett, auch mit Kernhaus.
  • 900 Gramm flüssigen Honig mit 300 Gramm guten Apfelessig mischen und in ein großes Glas geben. Das Glas muss so groß sein, dass der Rest des Oxymels auch noch Platz hat...
  • Nun gibt man die Quitten hinzu.
  • Für den Geschmack schabt man 1/2 bis 1 ganze Vanilleschote aus und gibt Schote mit Mark hinzu.
  • Außerdem werden noch 3-4 Nelken, 1 Zimtstange und 2-3 Sternanis beigelegt.
  • Aus dem Garten holt man sich 2-3 schöne Stängel Rosmarin und gibt sie im Ganzen hinein.
Nun wird alles gut verrührt oder mit geschlossenem Deckel geschüttelt. 2 Wochen lang darf das Oxymel ausziehen, dabei muss jeden Tag einmal gerührt werden, damit sich oben kein Schimmel bildet. Nach den zwei Wochen seiht man das Oxymel ab und lagert es in Flaschen oder Twist-Off-Gläsern - recht kühl und auch dunkel, wenn möglich. Täglich werden davon 1-2 Esslöffel pur oder im warmen Wasser gelöst getrunken. Mir schmeckt es pur am besten, denn dieses Oxymel ist nun wirklich ein Genuss.

Wem die oben genannten Mengen zu viel sind, kann einfach reduzieren. Wichtig ist, dass das Verhältnis Honig : Essig in etwa passt. Ich habe es 3:1 verwendet, es geht aber auch 2 Teile Honig und 1 Teil Essig, oder wer es Kindern schmackhaft machen möchte nimmt 4 Teile Honig und 1 Teil Essig. 

Tipp 1 Schnellvariante: Wer nicht 2 Wochen warten möchte kann das Oxymel einige Tage durchziehen lassen und dann das Oxymel im Mixer klein machen. Nun noch einmal 1-2 Tage durchziehen lassen (umrühren nicht vergessen) und dann abseihen und genießen. Wenn es geschreddert ist, kann das Abseihen etwas schwieriger sein, ein Küchensieb ist hier hilfreich. Wem es dann noch zu trüb/dickflüssig ist, kann es zusätzlich durch einen Kaffeefilter aus Papier laufen lassen - das dauert, Geduld ist hier gefragt.

Tipp 2 Amygdalin: Wer Angst vor dem Amygdalin in den Kernen hat (wir erinnern uns, dieser Stoff kann im Körper zu Blausäure abgebaut werden), der entfernt vor der Herstellung die Kerne/das Kernhaus.

Tipp 3 Tee aus Kernhaus: Die Kerne können zur Herstellung von Tee verwendet werden (Heißaufguss). Hierfür übergießt man die "Quittenbutzen", 1 Rosmarinzweig, 2 Nelken und 1/2 Vanilleschote mit etwa 700 Gramm kochendem Wasser und lässt den Aufguss ca.5 Minuten ziehen. 

Tipp 4 Kaltauszug aus Kernen: Auch als Kaltauszug sind die Kerne klasse. Dafür nimmt man tatsächlich nur die Kerne und kaltes Wasser im Verhältnis 1:8 (Kerne:Wasser) und lässt das Ganze abgedeckt über Nacht stehen. Man erhält eine schleimige Flüssigkeit, die man gegen Husten und Halsschmerzen trinken/gurgeln und gegen Hautunreinheit, rissige Haut/Lippen, bei Sonnenbrand, Insektenstichen auf die betroffenen Stellen auftragen kann.
Gemischt mit wenig gutem Mandelöl kann der Schleim auch als Gesichtsmaske aufgetragen werden. Nach ca. 20 Minuten kann man die Reste - wer mag - mit einem feuchten Tuch abnehmen.
Früher wurde der Schleim stillenden Müttern gegeben, um die wunden Brustwarzen zu besänftigen. Der Schleim kann im Kühlschrank etwa eine Woche gelagert werden. Die Gefahr der Verkeimung ist gegeben, daher bietet es sich an, den Schleim in Glasdöschen/Eiswürfelformen abzufüllen und einzufrieren.

Tipp 5 Halsschmerzen: Akute Halsschmerzen kann man lindern, indem man die (ganzen) Kerne - frisch oder getrocknet - lutscht. Nach Gebrauch spuckt man sie einfach aus. 

Tipp 6 Tresterverwendung: Da der Trester viel zu schade zum Wegwerfen ist, kann man ihn auffangen, auf ein Blech mit Backpapier streichen und im Ofen trocknen lassen. Ist der Trester noch zu grob sollte man ihn VOR dem Trocknen im Mixer zerkleinern, denn danach ist es für die Küchengeräte wirklich schwer, die kompakte Masse zu schreddern - ich habe es ausprobiert :) Nach dem Trocknen füllt man den Trester in eine flache Box und verschließt diese. Man kann daraus
  • einen Tee aufbrühen: Rosmarin, Ingwer, schwarzer Tee, Gewürz-Tee passen gut dazu
  • eine Zweitgärung mit dem Wasserkefir machen
  • ein Peeling anrühren (aus Salz/Zucker und gutem Öl)
  • eine Beigabe fürs Brotbacken machen (Vorsicht: dafür muss es seeeehr fein geschreddert sein)
  • ...

Oxymel - der Versuch einer Übersicht

Wie genau Oxymel wirkt - und ob überhaupt - ist noch nicht abschließend untersucht. Spannend ist jedoch, dass Essig und Honig unabhängig voneinander positive Wirkungen auf den Körper zeigen.

Honig

So kann Honig nicht nur mit Wasser, Fruktose und Glukose aufwarten (zweifellos der größte Batzen bei den Inhaltsstoffen) sondern auch mit
  • Flavonoiden (Apigenin, Pinocembrin, Kampferol, Quercetin...)
  • Aminosäuren
  • Vitaminen (C, B1, B2, Riboflavin, Nikotinsäure)
  • Mineralstoffen (Ka, Ca, Mg, Na...)
  • Spurenelementen (Fe, Cu, Zink, Mangan)
  • Phenolsäuren (u.a. Kaffeesäure, Ferulasäure)
  • Tocopherolen
  • Ascorbinsäure
  • Enzymen (Katalase, Oxidase, Invertase, Amylase...)
  • Peptiden
  • Maillard-Reaktions-Produkten.
Man geht davon aus, dass die Gesamtwirkung dieser Inhaltsstoffe für die antioxidative Wirkung des Honigs zuständig sind.
In früherer Zeit wurde Honig oft eingesetzt, um Magen-Darm-Erkrankungen, Wunden, Leber- oder Herz-Kreislaufprobleme zu lindern. Auch gegen Husten, schlechte Verdauung und Augen-/ Hauterkrankungen soll er verwendet worden sein.
Es scheint erwiesen, dass Honig sowohl antibakteriell als auch entzündungshemmend wirken kann. In der Wundheilung liegen wohl die meisten positiven Ergebnisse bei der Anwendung mit Honig vor.

Essig

Der größte Anteil im Essig ist natürlich Wasser. Aber da gibt's noch mehr:
  • organische Säuren (Essigsäure, Weinsäure, Apfelsäure, Milchsäure, Zitronensäure, Bernsteinsäure)
  • Mineralstoffe/Spurenelemente (Na, Ca, Zn, Mg, Fe)
  • Phenolsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure...)
  • ...
Auch hier scheint es eine wunderbar positive Wirkung auf unseren Körper zu geben: Essig ist wohl antioxidativ, antimikrobiell, antihyperlipidämisch (gegen erhöhte Fettwerte, Cholesterinwerte) und auch noch entzündungshemmend.

Oxymel

So, und nun verbinden wir beides und stellen daraus Oxymel her. Essig und Honig haben unterschiedliche Wirkmechanismen, um die oben angesprochenen Auswirkungen auf den und im Körper zu erzielen. Schon allein diese Mischung - ohne Kräuter, Früchte, Wurzeln, Gewürze - kann dem Körper also wohl tun. Fügen wir nun eben noch solch leckere Dinge wie im Rezept oben hinzu, kann das doch nur verstärkend sein, oder? Denn jede weitere Zutat kommt wiederum mit eigenen Eigenschaften und Inhaltsstoffen daher, die durch Honig oder Essig gelöst werden können.

Ein wahrhaft göttlicher Trank, denke ich!
Übrigens: Ich bin kein Arzt oder Apotheker, daher sind das auch keine Empfehlungen, die im Krankheitsfall zu befolgen sind. Hierbei handelt es sich um eine reine Recherchearbeit. Viel Freude damit!

Literatur:

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