Die Artefakte von Ouranos 1 - Trial of the sun queen - Rezession

Titel: Die Artefakte von Ouranos - Trial of the sun Queen

Schriftsteller: Nisha J. Tuli

Genre: Fantasy, New-Adult-Fae-Fantasy

Medium: Buch

Seitenanzahl: 411

Fortsetzungsroman: Ja

Das Buch beginnt spannend und düster: Lor verbrachte die letzten 12 Jahre im Gefängnis Nostraza in Aurora unter schlimmsten, menschenunwürdigen Bedingungen. Sie verfügt leider über ein recht aufmüpfiges Gemüt, so dass die Strafen und Foltermethoden sie oftmals brutal und gnadenlos treffen. Sie scheint jedoch ebenso auch einen eisernen Willen zu besitzen, denn allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz überlebt sie selbst den "Schlund" - ein unwürdiges Loch außerhalb des Schutzes der Gefängnismauern - Alpträumen, Ungeheuern, Hunger und Durst völlig wehrlos ausgeliefert.

Die Figuren werden gut beschrieben, man fühlt und denkt sich schnell in die Geschehnisse ein und auch wegen der Düsternis des Ortes vertieft man sich als Leser in die Gedankenwelt von Lor.

Lor wird aus dem Schlund gerettet und landet als scheinbar willkürliche Wahl auf dem Hof des Sonnenkönigs, um als "letzter Tribut" an einem Wettkampf teilzunehmen, bei dem am Ende der Platz als Königin an der Seite des Fae-Königs winkt.

Ab hier Spoiler: 

So weit so gut. Die Idee, die hinter den Geschehnissen steckt, ist wunderbar und lässt auf ein schönes Leseerlebnis schließen, jedoch wird der Leser schnell enttäuscht. Lor, ein Mädchen, das schon so viel Leid und Falschheit erlebt hat, scheitert leider völlig daran, den Sonnenkönig zu durchschauen, sie erliegt seiner Schönheit, seinem Charme, landet - warum auch immer - nicht im Bett des Königs (sexuellen Spielchen sind beide nicht abgeneigt, warum sie nicht weitergehen, bleibt dem Leser verborgen, passte wahrscheinlich nicht zur weiteren Handlung). Urplötzlich kurz vor Ende des Buches stellt Lor fest, dass da irgendetwas sich "von Anfang an falsch angefühlt" habe. Nun muss man an dieser Stelle erwähnen, dass der Geschichtsstrang um Lor in der Ich-Perspektive verfasst wurde. Wenn Lor sich also nicht ständig selbst belügt und hintergeht - nun, dann kann diese Wendung nur als hilfloser Schachzug verstanden werden, einen zusätzlichen Gedankengang einzubauen. Und nicht nur das, ging der Leser zuvor davon aus, dass Lor keine Ahnung mehr von ihrer Vergangenheit habe, weil sie zu jung gewesen sei, sich an das Geschehen vor ihrem zwölften Lebensjahr zu erinnern, ist es ihr nun auf einmal wieder eingefallen: "Was ich nicht verstehe, ist, wie um alles in der Welt Atlas mein Geheimnis enthüllen konnte." Das Ganze wirkt unglaublich konstruiert, unglaubwürdig und dann auch noch die Seitenpfade zu einem vertrockneten Reich ohne Nachkommen, die so plump in den Geschichtsverlauf eingeflochten werden, dass der Leser kaum eine andere Wahl hat, als den auf dem Silbertablett kredenzten Wink mit einem ganzen Lattenstapel als Schicksalspfad von Lor zu erkennen.

Spoiler Ende

Fazit: Leider, leider ein Buch mit eklatanten erzählerischen Schwächen. Denn die Ideen, die in dem Buch verbaut werden, sind erfrischend und hätten das Potenzial zu einer großartigen Story mit Tiefgang. Drei weitere Bände warten noch auf den Leser, jedoch hat Nisha J. Tuli in mir keinen treuen Fan gewonnen...

Punkteverteilung:

  • 1 von 5 in Kategorie Lieblingsbuch
  • 3 von 5 in Kategorie Spannung
  • 1 von 5 in Kategorie Überraschung
  • 4 von 5 in Kategorie Ideen
  • 1 von 5 in Kategorie Erzählperspektive
  • 2 von 5 in Kategorie Erotik
  • 3 von 5 in Kategorie Sprachgewandtheit

Kommentare